Frage- und Zielstellung

Zwischen Weinen und Lachen schwingt die Schaukel des Lebens, zwischen Weinen und Lachen fliegt in ihr der Mensch.Christian Morgenstern

Christan Morgenstern beschreibt mit der ersten Strophe seines Gedichtes „Zwischen Weinen und Lachen“ die Verortung des menschlichen Lebens. Wie auf einer Schaukel sitzend schwingt das Leben eines Menschen zwischen Weinen und Lachen hin und her. In dem Film Die Ferien des Monsieur Hulot scheint das Leben des Protagonisten Hulot für den Zuschauer zunächst lustig zu sein. Aufgrund seiner bizarren Art verstrickt sich Hulot immer wieder unbewusst in komische Situationen. Doch diese Situationen sind für die Urlauber, die ein starres Leben führen, nicht amüsant anzusehen. Ganz im Gegenteil erfährt Hulot aufgrund seines komischen Wesens Abneigungen der Urlauber. Obwohl Hulot nichts Böses möchte, stört er den Frieden der Urlaubsgäste, die unbeschwerte und eintönige Ferien verbringen möchten. Dadurch gerät Hulots Leben ins Gegenteil eines lustigen Daseins. Denn die meisten Urlaubsgäste distanzieren von ihm. Diese Beobachtungen lassen das Komische sehr dicht an das Tragische rücken.

Doch wo liegt die Grenze, was ist komisch und was erscheint tragisch? Welche Rolle spielt dabei die menschliche Erfahrung? Wann wirkt ein erzählter, oder vorgeführter Witz nicht mehr komisch und welche Rolle übernehmen die einzelnen Akteure in diesem Spiel? Die Relation von Komik und Tragödie allein soll dabei nicht Zentrum unserer Untersuchungen sein, vielmehr möchten wir uns dem Komischen unter Berücksichtigung (film-)geschichtlicher Entwicklungen widmen.

Fragestellung

Es kann zweifelsfrei gesagt werden, dass Witze im allgemeinen Heiterkeit erregen, wie jedoch erschließt sich dieser Prozess? Welchen Regeln folgt die Welt der Komik und welche Formen haben sich besonders mit Blick auf den Film etabliert? Hinsichtlich der Erfahrungen einzelner Menschen und deren Konstruktion von Wirklichkeit ergibt sich eine weitere Frage: Wieso ist der erzählte Witz (als Beispiel für verdichtete verbale Komik) von so essentieller Bedeutung einer Gesellschaft, wenngleich die Wahrheit eines Witzes absolut irrelevant sein mag? Hierbei liegt die Vermutung nahe, dass eine Untersuchung der Problematik auch unter Berücksichtigung des ästhetischen Gebietes als sinnvoll erscheinen könnte. Die Fragestellung lautet daher:

Wie wird das Komische im Film inszeniert, welche Besonderheiten kennzeichnen das Komische und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Zuschauer?

Aufbauend auf die hier skizzierte Fragestellung, wird dabei unsere Interpretationshypothese, welche für die Analyse des Filmes notwendig ist, hergeleitet.

Zielstellung

Aus der zuvor skizzierten Fragestellung ergeben sich neben den genannten Fragen diverse Schwerpunkte, die im Rahmen dieser Ausarbeitung zu erörtern sind.

  • Die Beziehung des Komischen zum Unbewussten.
  • Die Inszenierung im Film.
  • Kann ein Perspektivenwechsel durch das Komische entstehen? (Weltoffenheit?)

Gleichwohl müssen Einschränkungen hinsichtlich der Problematik getroffen werden. Aufgrund der hohen Komplexität die mit der Problemstellung einhergeht, werden wir uns auf die zuvor definierten Punkte konzentrieren und mögliche Überschneidungen mit anderen Themengebieten zwar andeuten, jedoch nicht genauer beleuchten.

Vorgehen

Um die Problematik rund um die Komik erörtern zu können, wollen wir uns dem Thema aus verschiedenen Perspektiven annähern. Dabei spielt einerseits die geschichtliche, aber auch filmgeschichtliche Entwicklung eine Rolle. Hierfür wollen wir uns vorrangig auf die Erkenntnisse Henri Bergsons beziehen. Ferner soll die Entwicklung der Komik unter Berücksichtigung der Sprache sowie Gemeinschafts- bzw. Gesellschaftsbildung betrachtet werden. Hierbei erscheinen uns besonders die Rezeption und die Wirkungsweise des Komischen interessant. Wenngleich sich unsere fachlichen Kompetenzen nicht über den Bereich der Psychologie erstrecken, so möchten wir dennoch den Versuch wagen, diese Disziplin bei unseren Betrachtungen mit einzubeziehen. Für eine tiefergehende Untersuchung des Komischen und seiner Wirkung erscheint uns dieser Schritt als notwendig. Dabei möchten wir insbesondere auf Sigmunds Freuds Betrachtung hinsichtlich des (Un-)Bewusstseins des Witzes und des Lachens aufbauen.

Im Zuge der filmgeschichtlichen Betrachtung haben wir uns dafür entschieden, eine Untersuchung am Beispielfilm durchzuführen. Dabei soll der Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“ nach formalen Kriterien untersucht werden und einige Szenen explizit und in direkter Abhängigkeit zur Theorie erläutert werden. Die Analyse erfolgt dabei unter Berücksichtigung einer von uns entwickelten Interpretationshypothese. Diese Hypothese soll den Blick auf relevante Aspekte lenken und gleichsam andere Aspekte aus der Untersuchung ausschließen beziehungsweise ausblenden.

Abschließend werden die Ergebnisse dieser Untersuchungen in einem Fazit zusammengefasst.