Beispielszenen

In diesem Abschnitt werden einige ausgewählte Szenen des Filmes im Detail besprochen und verbunden mit der dargestellten Theorie analysiert.

1. Hulot im Restaurant des Hotels

Wie jeden Tag treffen sich die Hotelgäste um die gleiche Uhrzeit zum Mittagessen. Diese Starrheit der Gewohnheiten wird auch bei der Platzauswahl sichtbar. Denn jede Person nimmt einen ganz bestimmten Sitzplatz zum Essen ein. Hulot sitzt neben einem älteren Mann an einem zweier Tisch am Rande des Speisesaals. Ohne darüber nachzudenken, ob es sich gehört oder nicht, greift Hulot dann während des Essens über den Teller seines Nachbarn, um einen Salzstreuer zu nehmen. Dieser möchte gerade seinen Mund mit einer Serviette abwischen. Stattdessen fungiert jedoch Hultos Arm als Serviette. Damit solch ein Ereignis nicht noch einmal passiert, stellt der Nachbar den Pfefferstreuer von sich aus in die Mitte des Tisches. Dessen ungeachtet stellt nun wiederum Hulot den Salzstreuer zurück, just in diesem Moment, als der Tischnachbar seinen Mund ein weiteres Mal abwischen wollte. So geschieht es, dass dieser sich seinen Mund an Hulots Arm säubert. Doch der Mann klagt Hulot dafür nicht an, sondern wirft nur seine Serviette auf seinen Schoß und isst leicht gereizt sein Mittagessen weiter.

Die Formel der Repetition, wie sie von Bergson1 formuliert wurde spiegelt sich im wiederholten Vorkommen einer nicht normalen Situation wieder. Durch die Wiederholung dieser Situation wird das Komische gesteigert. Weiterhin spielt der Zufall, dass Hulot gerade in diesem Moment zu dem Salzstreuer greift eine elementare Rolle in der Inszenierung. Nur durch die geschickte Kombination von Raum und Zeit ensteht diese humorvolle Situation.

Ein weiterer Punkt ist die Sprachlosigkeit des Tischnachbarn, welche ungemein zur Komik der Situation beiträgt. Hulot selbst bekommt nicht mit, wie er auf seinen Nachbarn wirkt. Die mangelnde verbale Kommunikation führt dazu, dass diese Situation unkommentiert bleibt. Diese Szene ist ein gelungenes Beispiel für die alltägliche Präsenz des Komischen. Der Tischnachbar wird zum unfreiwilligen Akteur des Witzes und befindet sich dadurch in dergleichen Position wie Hulot durchweg skizziert wird. Diese Diffusion der sonst klaren Rollenverteilungen gibt der Szene eine besondere "Würze".

2. Die Bootstour

Hulot bemalt in dieser Szene den Sitz in einem Kanu mit Farbe. Den Farbeimer stellt er neben das Kanu in den Sandstrand. Da sich das Kanu jedoch unmittelbar neben dem Wasser befindet und die Wellen ans Ufer schlagen, wird der Eimer immer wieder vom Wasser weggetragen und auf der anderen Seite des Kanus wieder angeschwemmt. Nachdem der Farbeimer ein weiteres Mal weggetragen worden ist, steigt Hulot aus dem Kanu aus, um nach dem Eimer zu suchen. Als er ihn auf der anderen Seite entdeckt, steigt er wieder ins Kanu hinein. Dabei jedoch zerbricht es in der Mitte. Im Folgenden wird die Kamera von Hulots weiteren Handlungen abgewendet und andere Urlauber werden bei ihren Tätigkeiten am Strand gezeigt. So schwenkt die Kamera unter anderem auf Martine, die am Steilufer sitzt und auf das Meer hinaus blickt. Während dessen fährt Hulot im Kanu vorbei. Nach einigen Metern im Meer klappt dies jedoch in der Mitte zusammen. Zunächst ragt es hochkant aus dem Meer hinaus, fällt dann allerdings zusammengeklappt nach vorne ins Wasser. Daher Hulot versucht das Kanu wieder auseinander zu klappen. Dabei reißen Kanustücke auseinander, die wie spitze Zähne an der Seite herausragen. Als das Kanu von den Badegästen erblickt und als Ungeheuer wahrgenommen wird, versuchen diese schnell vom Strand zu fliehen.

Auch hier findet sich das Muster der Repetition wieder. Hinzu kommt die Unwissenheit über den Verbleib des Farbeimers auf der linken oder auf der rechten Seite. Der Prozess der Kanubemalung wird aus verschiedenen Perspektiven gezeigt und so bis zum Höhepunkt getrieben. Ähnlich wie ein simpler Algorithmus arbeitet Hulot an seinem Kanu, bis es fertig gestrichen ist. Nachhaltigkeit wird der Szene durch den Schnitt verliehen, indem die Kanubemalung sowohl aus Strandsicht als auch aus Wassersicht dargestellt wird.

Fußnoten