Fazit und Ausblick
Rückblickend lässt sich sagen, dass die Erzählung des Films gezielt so gewählt wurde, um ein hohes Maß an situativer Komik zu entwickeln. Wichtig hierfür bleiben einige Punkte festzuhalten.
- Es findet eine Aneinanderreihung verschiedenster, voneinander unabhängiger Situationen statt.
- Hulot wird durch seine unbeholfene Art, aber auch durch die stark überzeichneten Bewegungen als Komisch verstanden.
- Die Zeitlosigkeit des Komischen ergibt sich aus der Beobachtung der Gesellschaft und die Thematisierung von alltäglichen Zufallsereignissen in marginalisierter Form.
Dies konnte an diversen Beispielen herausgearbeitet und belegt werden. Im Laufe der filmgeschichtlichen Entwicklung stellt der behandelte Film dabei eine frühe Version dieser Form des Komischen dar. Nachfolgende Komiker wie Benny Hill, Rowan Atkinson (alias Mr. Bean)1, aber auch Louis de Funès folgen dabei dem Muster des Monsieur Hulot und treiben die gestische, wie auch die mimische Darbietung auf eine höhere Stufe. Ähnlichkeiten zu Hulot lassen sich dabei besonders bei Rowan Atkinsons Darbietungen erkennen. Anders als Hulot wird Louis de Funès dabei jedoch als amüsanter Patriarch und Choleriker skizziert.
Die verschiedenen aneinander gereihten Situationen lassen mit Blick auf die gesamte Erzählung und die betrachtete Theorie das Muster der Verdichtung, aber auch der Verschiebung deutlich werden. Es handelt sich zudem eine parodistische Ansammlung diverser Gesellschaftlicher Phänomene, welche durch eine doppelsinnige Übermittlung des Gedanken hervorgebracht werden. Das unbewusste ergibt sich dabei nicht aus einem tieferen Sinn sondern einfach aufgrund er verschobenen Wahrnehmung einzelner Akteure, allen voran Hulot selbst. Dieser stellt jedoch keine Ausnahme dar, er ist lediglich ein Teil von vielen und wird auch so gezeichnet.
Anders als von Freud beschrieben entwickelt sich der Prozess der Verdichtung jedoch weniger über sprachliche Mittel sondern viel mehr auf der visuellen Ebene. Das Komische ergibt sich dabei nicht nur aus der Kreuzung unterschiedlicher Gedankengänge und Handlungsstränge einzelner Akteure sondern auch aus der Absurdität, mit welcher diese Ereignisse zusammengeführt werden.
Besonders begünstigend wirkt hierbei die Wahl des gesamten Settings. Aufgrund der Tatsache, dass viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, lassen sich diverse Gepflogenheiten, Bräuche und andere habituelle Faktoren festhalten, überzeichnen und somit flexibel inszenieren. Das Bindeglied einzelner Erzählungen ist dabei immer der ohnmächtig wirkende Hulot. Durch die Dokumentation unterschiedlichster Ereignisse und Zufälle wirkt die Erzählung wie eine erheiternde Sammlung von komischen Situationen. Die Kameraführung stellt dabei einen wichtigen Faktor dar. Würde man den wartenden Hulot in einer Nahaufnahme zeigen und nicht in der Totale, wo man seine Beinarbeit begutachten kann, so hätte die Szene nichts Komisches an sich. Ferner ist deutlich geworden, dass die Wahl der Stilmittel entscheidend für den Transport des komischen Gedanken sein kann. Sowohl das Staging als auch das Acting spielen dabei eine weitere wichtige Rolle. Ohne das Acting könnte die eine nahezu identische Erzählung nicht mehr komisch sondern tragisch wirken. Die Grenze dahingehend verläuft sehr schmal.
Starrheit - Flexibilität
Das Unbewusste führt auch in einem weiteren Punkt zum Komischen, ein großteil der Ferienurlauber lebt ein angespanntes Leben, welches genaustens durchgeplant ist. Es fällt schwer aus seiner Haut zu fahren und einfach komplett abzuschalten, so wie es Hulot tut. Natürlich schafft es Hulot nur dadurch, dass er sich selbst treu bleibt, genau wie alle anderen Urlaubsbesucher. Der Kontrast entsteht dabei jedoch aus den grundlegende sozialisatorischen Unterschieden und trägt dazu bei, dass nicht nur Hulot als Träger des Komischen funktioniert, sondern vielmehr auch die anderen teilweise stark simplifizierten Besucher mit ihren Klischees.
Mangelnde Flexibilität gilt nicht nur in der Geschichte als Grundlage für das Komische, auch in der Moderne stellt es einen wichtigen Faktor dar. Wie das Beispiel des Astronauten im Interview zeigt, erscheint die Situation besonders aufgrund der Orientierungslosigkeit des Moderators komisch. Anstatt das Interview abzubrechen, arbeitet er seinen Leitfaden ab und schaut hilflos in die Kamera, welche die Blicke des Ahnungslosen gestochen scharf in einer Nahaufnahme einfängt.
Ein weiterer interessanter Punkt ist hierbei wieder die Definition der Rollen. Ähnlich wie in der Tischszene bei Die Ferien des Monsieur Hulot werden die Beteiligten aufgrund eines Zufalls zu Erzählern einer witzigen Situation, welche zwar aufgebrochen werden könnte, aufgrund der Handlungsunfähigkeit und der Hemmungen wird dies jedoch nicht getan.
Ausblick
Ein weiterer Untersuchungsschwerpunkt wäre die Diskussion der Relation von Tradition und Moderne am Beispiel des Filmes. Es konnte bereits deutlich herausgearbeitet werden, dass es sich beim vorliegenden Film um ein Werk mit hohem Potenzial handelt. Einige Punkte wären hierfür:
- Das Erscheinungsbild des Herrn Hulot, seine Ohnmächtigkeit und Orientierungslosigkeit. Unter Berücksichtigung technischer Aspekte fällt sofort die Wahl des Fahrzeuges, welches Hulot besitzt, in den Blick der Untersuchungen. Dieses wiederum stellt eine symbolische Verkörperung des sympathischen Herrn Hulots selbst dar. Es beschreibt zudem seine Position in der Gesellschaft und trägt stark zur Skizzierung des Charakters bei.
- Die Routine, welche den Alltag der Ferienurlauber (Frühsport, Essen, Strand, Abendaktivität) beherrscht und durch Hulot aufgebrochen wird.
- Die Musik als Faktor der Ruhestörung
Die Kritik an der Moderne, welche Tati offenlegt besteht besonders in eben dieser struktureller Abbildung von Natürlichkeit. Immer wieder wird dabei die starre mechanische Erscheinung sowohl der Charaktere aber auch einzelner Gegenstände und Objekte deutlich. Die Funktion der Objekte wirkt dabei funktional befreit. Gemäß nach Baudrillard wird hierbei die Hyperfunktionalität betont. Hierbei entsteht ein Kampf zwischen traditionalen Gewohnheiten und einer zeitlich stets dynamischen Gesellschaft.
Fußnoten
- 1 bei beiden Parodisten handelt es sich dabei um Briten.